Frauenhaus Caritas Bochum

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Polieren, bis der Boden glänzt? Niemals! Warum unsere Kollegin Maren trotzdem die beste Hauswirtschafterin ist.

Aus dem Frauenhaus Bochum

Polieren, bis der Boden glänzt? Niemals! Warum unsere Kollegin Maren trotzdem die beste Hauswirtschafterin ist.

Wäre das Frauenhaus Bochum eine Jugendherberge, Maren wäre die Herbergsmutter. Sie macht unser Haus für die geflüchteten Frauen und Kinder zu einem Zuhause auf Zeit, gibt Zuspruch, zeigt ihnen Wege und geht mit ihnen die ersten Schritte in ihr neues Leben. Unsere Hauswirtschafterin Maren ist eine Menge mehr, als ihr Arbeitsbereich aussagt. Zwar sorgt sie als Hauswirtschafterin für Sauberkeit – aber wienern, bohnern, polieren, bis der Boden glänzt und frau sich darin spiegeln kann? „Nein“, schmunzelt Maren, „so verstehe ich meine Aufgabe im Haus nicht.“

 

Stillstehen ist Marens Sache nicht.

Schon als Kind ist Maren zum Supermarkt zum Einkaufen gesprintet – nicht wie andere gemächlich gelaufen, erinnert sich die Bochumerin. Klar, dass die athletische Maren beruflich die sportliche Richtung einschlägt: Als staatlich anerkannte Gymnastiklehrerin arbeitet sie viele Jahre in einem Fitnessstudio. Stillstehen ist Marens Sache nicht.

Und sie packt an. 2015 zum Beispiel. Als flüchtende Menschen aus Syrien übergangsweise in der Altenbochumer Turnhalle leben. Maren hilft, die Menschen einzugliedern. „Das hat mir riesigen Spaß gemacht, danach konnte ich mich nicht weiter um Fettpolster meiner Fitness-Schüler*innen kümmern. Ich wollte eine Aufgabe mit Inhalt.“

 

Denken über den Tellerrand hinaus

Die Stellenanzeige der Caritas zur Hauswirtschafterin für das Frauenhaus Bochum kommt 2016 wie gerufen. „Das Bewerbungsgespräch war entspannt“, erinnert sie sich, „das Team sympathisch. Auf die Frage nach meinen Schwächen habe ich zugegeben: ‚Ich bin keine Klischee-Mutter, keine, die mit ihren Kindern backt oder kocht. Dazu bin ich zu ungeduldig.‘“ Das war ehrlich – und das kam an, beim Team. Wie auch ihr Humor, ihr Einsatz und ihr Denken über den Tellerrand hinaus.

 

Zwischen Strenge und ein Auge zudrücken

Böden wischen, Staub saugen, Bäder putzen, Müll entsorgen, Fenster reinigen und Geschirr spülen – alle unsere Bewohnerinnen übernehmen Aufgaben. Maren erstellt den Putzplan und sorgt dafür, dass alle ihn einhalten. Herrscht Unordnung, durchschaut Maren auch ohne Putzplan, wer verantwortlich ist. Sie kennt ihre Pappenheimerinnen. „Ich spreche das direkt an. Klar, können dann Reibungen entstehen. Aber wir beruhigen uns auch alle schnell wieder. Ich versuche immer, das Gleichgewicht zu halten: zwischen Strenge und ein Auge zudrücken.“

Frauen, die einziehen, macht es Maren nett, richtet ihre Zimmer ein. Sie sollen sich wohlfühlen. Deshalb legt sie Wert auf Details: Dann harmoniert die Bettwäsche farblich auch mal mit den Gardinen. Wenn unsere Frauen uns wieder verlassen, begleitet Maren sie in ihre neuen Wohnungen, hilft beim Einzug und packt handwerklich an.

 

Maren weiß, was unsere Frauen umtreibt

Maren begleitet unsere Frauen auch zu Terminen und zwischendurch gesellt sie sich zu ihnen auf den Balkon, trinkt einen Tee und beantwortet Fragen nach Frisör*innen oder Geschäften in der Nähe. Manchmal bringt sie ihre Hunde mit und macht Spaziergänge mit den Kindern.

Maren ist einfach da und nah dran an den Frauen und ihren Kindern: Sie weiß, wie es ihnen geht, was sie umtreibt. In ihrer Arbeit schlägt sie einen allumfassenden Bogen und betrachtet ihre Aufgabe ganzheitlich. Das bildet auch ihre zweite Ausbildung zur Motopädin gut ab. Denn die Motopädie betrachtet Körper, Bewegung, Psyche und Umwelt als eine Einheit.

 

Manche Fälle gehen an die Nieren

Auch wenn es nicht einfach ist, wenn Frauen ihre neu gewonnene Freiheit im Frauenhaus noch nicht einordnen können oder ihre Kinder nicht im Blick haben, wenig mit ihnen unternehmen und ihre Bedürfnisse nicht erkennen – Maren sagt: „Unsere Frauen sind liebe Frauen, sie haben viel durchgemacht. Ihre gewalttätigen Männer haben ihnen eingebläut, sie seien nichts wert ohne ihren Mann. Sie haben nicht gelernt, ihren Alltag ohne Männer zu leben. Dann fällt es mir schwer, diese Frauen verabschieden zu müssen, die dem Druck nachgeben, den Kampf aufgeben und zurückkehren in ihr altes Leben. Manche Fälle gehen uns allen hier an die Nieren.“

 

Mein absoluter Traumjob

„Aber es ist so schön, Erfolge zu sehen; sie geben mir die Energie zurück, die ich reinstecke. Wenn Frauen auf eigenen Beinen stehen, was aus ihrem Leben machen, ihre eigene Wohnung beziehen, eine Ausbildung starten und es durch den deutschen Bürokratiedschungel schaffen. Das sind großartige Frauen, die das von sich selbst gar nicht behaupten würden.“

Maren liebt die Diversität ihrer Aufgaben, denn keine Woche gleicht der anderen. „Ich gehe jeden Tag gern zur Arbeit, weil mir die Arbeit großen Spaß macht. Weil es nie langweilig ist. Und weil das Team einfach großartig ist. Ich arbeite in meinem absoluten Traumjob.“

Stärker als Gewalt

Sie haben erfahren, wie sehr Frauen und ihre Kinder das Frauenhaus Bochum brauchen. Möchten Sie die Frauenhaus-Arbeit unterstützen? Dann schauen Sie hin und verschließen Sie Ihre Augen nicht. Ahnden wir Gewalt gegen Frauen, wann immer wir sie bemerken und nennen wir sie beim Namen – vor allem in der Öffentlichkeit. Denn Gewalt ist keine Privatsache, sondern eine Menschenrechtsverletzung. Je mehr Menschen das verstehen, desto größer ist die Chance, dass wir stärker werden – stärker als Gewalt.

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